Chiwa: die Museumsstadt Itchan Kala

Chiwa ist die kleinste und am weitesten entfernte der drei großen Seidenstraßenstädte, und die einzige, die noch komplett von ihrer Mauer umschlossen ist. Die Stadt liegt in der Oase Choresm im äußersten Westen Usbekistans, gut 30 Kilometer von der Bezirksstadt Urgentsch entfernt, und hat rund 90.000 Einwohner (Stand 2017). Ihre Altstadt, die Itchan Kala, war 1990 das erste Welterbe Zentralasiens: gut zwei Kilometer Lehmmauer mit vier Toren, dahinter auf 26 Hektar mehr als fünfzig Baudenkmäler und einige hundert Wohnhäuser.
Was man sieht
Das Wahrzeichen ist das Kalta Minor, ein Minarett, das 1852 begonnen und bei 26 Metern aufgegeben wurde, obwohl es mit über 70 Metern das höchste des Orients werden sollte. Der Khan starb, der Nachfolger baute nicht weiter, und so blieb ein türkisfarbener Stumpf, der breiter wirkt als hoch. Wer wirklich hinauf will, steigt auf das Islom-Hoja-Minarett von 1910, mit 57 Metern das höchste der Stadt, von oben liegt die ganze Itchan Kala mit ihren Lehmdächern und blauen Kuppeln unter einem.
Die Juma-Moschee ist anders als alle anderen Moscheen des Landes: eine flache Halle, deren Decke auf über 200 geschnitzten Holzsäulen ruht, einige davon tausend Jahre alt und aus älteren Bauten übernommen. Durch zwei Öffnungen im Dach fällt Licht auf die Säulen, sonst ist es dunkel und kühl. Die Kunya Ark am Westtor war die Festung der Khane, mit Thronsaal, Münze und einer Sommermoschee, deren Kacheln zum Feinsten gehören, was in Chiwa steht. Der Tasch-Hauli-Palast im Osten ist jünger und verspielter, mit dem Harem um einen Hof, in dem jede Frau ihre eigene Kachelwand hatte.
Das Pahlavon-Mahmud-Mausoleum ist der Ort, an dem die Chiwaer selbst hingehen: das Grab eines Dichters und Ringkämpfers aus dem 14. Jahrhundert, der zum Schutzheiligen der Stadt wurde, unter der größten Kuppel der Altstadt. Man zieht die Schuhe aus und bleibt einen Moment.
Eintritt und Tempo
Für die Itchan Kala gibt es ein Sammelticket, das zwei Tage gilt und die Museen und Bauwerke bis auf zwei Mausoleen einschließt; zuletzt kostete es 200.000 Som, umgerechnet etwa 13 Euro (Stand Oktober 2024). Durch die Tore und die Gassen kommt man ohne Ticket, kontrolliert wird an den Eingängen der Anlagen. Am Tag ist die Altstadt ein Museum mit Souvenirständen und Reisegruppen, am frühen Morgen und nach Sonnenuntergang gehört sie den Bewohnern, und dann sieht man, dass hier wirklich noch gelebt wird.
Ein voller Tag reicht für die Itchan Kala, mit dem An- und Abreisetag bleiben die meisten zwei Nächte. Wer im Inneren der Mauer wohnt, in einem der Gästehäuser oder in der zum Hotel umgebauten Medrese, hat den Abend und den Morgen für sich.
Anreise
Chiwa liegt abseits, und das ist Teil seines Reizes. Von Buchara sind es 450 Kilometer durch die Kysylkum, mit dem Sammeltaxi sechs bis sieben Stunden, unterwegs sieht man nichts als Wüste und den Amudarja. Der Bahnhof für Chiwa ist Urgentsch, seit 2026 fährt ein Schnellzug an drei Tagen die Woche in knapp acht Stunden von Taschkent über Samarkand und Buchara bis hierher, an den übrigen Tagen der Nachtzug. Zwischen Urgentsch und Chiwa pendelt die letzte O-Bus-Linie Usbekistans, halbstündlich und für ein paar Cent, ein Taxi braucht vierzig Minuten. Der Flughafen Urgentsch hat tägliche Flüge nach Taschkent, wer wenig Zeit hat, fliegt zurück.
Von Chiwa aus liegt die Karakalpakische Hauptstadt Nukus drei Stunden entfernt, mit dem Savitsky-Museum und seiner Sammlung russischer Avantgarde, die hier in der Wüste vor Stalins Kunstpolitik versteckt wurde. Für viele ist das der überraschendste Ort der ganzen Reise.
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