Das größte Eisenbahnland der Welt
Asien ist der Kontinent der Eisenbahn, auch wenn man das in Europa selten so sieht. Indien betreibt mit über 68.000 Streckenkilometern eines der größten Netze der Erde, und jeden Tag fahren dort mehr als zwanzig Millionen Menschen mit dem Zug. China hat in zwanzig Jahren ein Hochgeschwindigkeitsnetz von über 40.000 Kilometern gebaut, länger als alle anderen der Welt zusammen, und Japan fährt seinen Shinkansen seit 1964 mit einer Pünktlichkeit, die in Sekunden gemessen wird. Daneben gibt es die alte Welt der Nachtzüge: Schlafwagen mit Ventilatoren, Händler auf den Bahnsteigen und Strecken, die seit der Kolonialzeit kaum verändert wurden. Beide Welten lohnen sich, und oft liegen sie nur einen Bahnhof auseinander.
Die großen Strecken
Die bekannteste ist die Transsibirische Eisenbahn, mit über 9.000 Kilometern von Moskau bis Wladiwostok die längste Bahnstrecke der Welt, fertiggestellt 1916. Die meisten Reisenden biegen am Baikalsee ab und fahren über die Mongolei nach Peking; das ist die Transmongolische Variante, sechs Tage, drei Länder und ein Wechsel der Spurweite an der chinesischen Grenze, bei dem die Waggons angehoben werden. In Vietnam verbindet der Wiedervereinigungsexpress seit 1976 Hanoi mit Saigon, gut 1.700 Kilometer an der Küste entlang, über den Wolkenpass bei Da Nang, mit Blick aufs Meer, den man sonst nirgends bekommt. In Indien ist die Fahrt im Schlafwagen zweiter Klasse von Delhi nach Varanasi oder von Mumbai nach Goa ein Stück Alltag, das man nicht nachstellen kann, und in Thailand fahren Nachtzüge von Bangkok nach Chiang Mai und bis an die malaysische Grenze.
Der Zug, der keiner ist
Kambodschas Bambuszug bei Battambang ist eine Plattform aus Bambus auf zwei Achsen mit einem kleinen Motor, mehr nicht. Entstanden ist er in den achtziger Jahren, als nach der Zeit der Roten Khmer die Wege vermint waren und die Bauern ihre Reissäcke anders von Dorf zu Dorf bringen mussten. Kommt ein Gefährt entgegen, wird das leichtere abgebaut und neben die Gleise gestellt. Heute fahren vor allem Besucher damit, und es bleibt eines der eigenwilligsten Verkehrsmittel Kambodschas.
Buchen und fahren
Für Nachtzüge in Südostasien gilt: früh buchen, denn die Schlafwagen sind Wochen vorher voll, das untere Bett nehmen, weil es breiter ist, und eine Jacke einpacken, denn die Klimaanlage kennt nur eine Stufe. Thailand, Vietnam und Indien verkaufen Fahrkarten inzwischen online, meist über die Bahngesellschaft selbst oder Agenturen wie 12Go. In Japan lohnt sich für Rundreisen der Japan Rail Pass, in China braucht man den Reisepass zum Ticketkauf und am Bahnsteig. Und in Bangkok sollte man vorher prüfen, von wo der Zug tatsächlich abfährt: Seit 2023 übernimmt der neue Bahnhof Krung Thep Aphiwat die meisten Fernzüge, während der alte Hauptbahnhof Hua Lamphong von 1916 nur noch wenige Verbindungen bedient.

Vietnam mit der Bahn entdecken
Mit dem Bambus-Zug durch Kambodscha
Hua Lamphong